September 27, 2011

Es ist die Sehnsucht

“Es ist die Sehnsucht, die mich bewegt, zu schreiben.
Als eine Fragende, als jemand der sucht. Wonach? Vielleicht nach dem Duft von Glück, vielleicht danach, wie Paradies schmeckt? Bestimmt nach der Liebe in ihrer Reinheit und Wahrhaftigkeit. Der Liebe, die sich in bunte Kleider hüllt und sie fallen lässt, wenn sie entscheidet, dass die Zeit gekommen ist.

Worte sind filigrane Elfen und Feen, die das Leben in ihre magische Aura hüllen, leise kichern und es leicht machen und verführen zu heiterer Gelassenheit.
Worte sind sinnliche Einladungen und Versprechungen, sich auf abenteuerliche Wege und Reisen zu begeben.
Worte sind Zauberelixiere, die uns den Rausch des Erkennens bescheren.

Worte sind die Waffen für Krieger des Lichts.

Irgendwo dazwischen, mittendrin im Dienst der Liebe, bewege ich mich, fliege ich, zweifle ich, und suhle mich im Humus des Lachens und Weinens, des Seins und des Vergehens und bediene mich der Werkzeuge, die mir gegeben sind: Worte und Wörter.”

Christine Jendrike
+ Jahrgang 1964
+ Schriftstellerin, Texterin, Pädagogin und Mentorin für Leben und Liebe
www.schneider-jendrike-mentoring.de

April 19, 2010

Leben: Alles Bio, alles Birne

Foto: istock

Sie versteckt sich in Nebensätzen. Zuerst erwirkt sie ein Stirnrunzeln, einen Anflug von Verärgerung. Jedenfalls trifft sie einen Punkt, piekst etwas an, das sich ausbreitet wie Hefeteig. Da geht etwas auf. Aus einer Bemerkung wird etwas Bemerkenswertes.

„Ich könne mir dich als Birnbaum vorstellen.“

Einige Führungskräfteseminare sind meines Erachtens kaum von Bewegungsspielen in Kindergärten zu unterscheiden. „Heute sind wir ein großer Baum. Der Wind bewegt unsere Blätter – hui. Und jetzt schüttelt er uns so doll, dass all unsere Äpfel und Birnen und Pflaumen ins weiche Gras fallen.“ Genau. Ein Hoch der generationenübergreifenden Pädagogik und zurück zum Birnbaum.

Als Kind kletterte ich mit Vorliebe auf einen großen Fliederbusch, der im Garten meines Elternhauses gegenüber dem Birnbaum stand. Oma und Opa lebten ebenfalls hier und hatten sich, ihrer Zeit weit voraus, dem biologischen Ackerbau verschrieben.
Die Salatköpfe, Gurken, Kohlrabi, Bohnen, Erbsen, Kartoffeln, Äpfel, Pflaumen und Birnen meiner Kindheit waren BIO. Das bedeutete, sie hatten Würmer und Schnecken. Sie lebten mehr als mir lieb sein konnte.

Die Bäume meiner Kindheit waren gestandene Obstbäume, die sich auf einer Wiese hinter dem großen Wohnhaus verteilten. Ganz hinten stand der Walnussbaum. Vorne der Birnbaum. Seine Früchte waren groß, süß und saftig. Sein Fruchtfleisch zerging auf der Zunge. Das Hineinbeißen war sinnliches Vergnügen, ein Verschmelzen mit der Frucht. Damals kochte man übrigens noch ein, was zu köstlichem Kompott führte und zu Rumtöpfen, die dunkle Wintertage zu humorigen Lichterfesten werden lassen konnte.
Birnenkompott gewürzt mit Zimtstangen und Nelken. Der Saft fast sämig von Süße spritzte aus dem Glas, sobald man an dem Gummiband zog und die Druckverhältnisse sich veränderten.

Na gut. Aber ich will trotzdem keine Birne sein.
„Sind Sie ein Apfel- oder Birnentyp?“ ist ein beliebtes Testthema in Frauenzeitschriften, das sich mit der Form weiblicher Hinterteile beschäftigt. Niemand möchte eine Birne sein. Und niemand möchte einen Birnenhintern haben. Ich auch nicht.
„Trainieren Sie sich zum Apfeltyp.“ „In nur 6 Wochen zum knackigen Äpfelchen.“
Birne? Birnbaum? Google!
„Die Birnen (Pyrus) bilden eine Pflanzengattung, die zu den Kernobstgewächsen in der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) gehört.“
Rose klingt immerhin schon eleganter als Birne. „Sind Sie ein Rosentyp?“ Klar.
Und dann wird es noch besser.
„Das deutsche Wort „Birne“ (ahd. bira, mhd. bir, auch bire) ist ein sehr altes Lehnwort aus dem Lateinischen. Lat. pirum und die wohl verwandte griechische Bezeichnung ἃπιον (ápion) sind wiederum letztlich wohl aus einer vorindogermanischen Mittelmeersprache entlehnt. Die wissenschaftliche Schreibung pyrus geht auf eine antike Volksetymologie zurück, die das Wort mit gr. πύρ (pýr) „Feuer“ in Verbindung brachte.“
Feuer-Birne. Birnen-Feuer. Schon besser. Ja, ich bin eine Feuerbirne!
Ich erfahre weiter, dass Birnen ein säurearmes und besonders süßes Obst sind, und somit für Menschen mit säureempfindlichen Mägen besonders geeignet. Eisen, Kalium und Phosphorgehalt sorgen für pures Leben und die Stärkung des Nervensystems. Na bitte.
Die vollkommene Versöhnung mit dem Vergleich zu einem Birnbaum findet statt, als ich lese, dass das Holz des Birnbaumes ein sehr gefragtes im Möbelbau ist und in seinen Qualitäten dem des Ebenholzes gleich kommt. „Rot wie Blut, weiß wie Schnee, schwarz wie Ebenholz.“ Birnenschneewittchen!
Fein und ebenmäßig kommt es daher und bekommt im Alter eine sehr schöne dunkelbraune, bernsteinartige Färbung. Außerdem hat es kaum sichtbare Jahresringe! Falten und Altersflecken in poetischem Gewand. Das alles kann die Birne.
Alles Bio, alles Leben. Der Mensch gehört zum großen Ganzen . Wenn ich das nächste Mal in eine Birne beiße hat sich die Art, wie es tue vielleicht ein wenig verändert, denn wenn Teile der Birne in mir sind, so hat sie vielleicht auch menschliche Eigenschaften. Wer weiß das denn schon so genau?

März 18, 2010

Zukunftswert Vertrauen

Warum vertrauen wir einer Person, während wir der anderen unser Vertrauen verweigern oder entziehen? Und ist es nicht sowieso viel sinnvoller, von vornherein misstrauisch und skeptisch zu sein, um eventuellen Vertrauensbrüchen vorzubeugen und sich Enttäuschungen zu ersparen?
Und was wäre dann?
Ohne Vertrauen darauf, dass Entwicklungen einen positiven bzw. erwarteten Verlauf nehmen, würde die Welt im wahrsten Sinne des Wortes still stehen. Und wir mit ihr. Was bliebe, wäre die Hoffnung, ihrerseits eine passive Verwandte von Vertrauen.

Wer vertraut, sich und anderen, Mitmenschen und Situationen, der hat eine Erwartung: An sich selbst und an das Gegenüber.
Im Rahmen gemeinsamer Werte und moralischer Vorstellungen soll etwas in Bewegung kommen, sich entwickeln, fortschreiten.
Vertrauen gründet sich auf Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit. Vertrauen braucht Echtheit und Authentizität als Grundlage.
Vertrauen ist und bleibt riskant und benötigt Informationen und eine große Portion Intuition.
Mit Offenheit und Mut hat Vertrauen eine Chance als Wert anerkannt zu werden, der in unserer zunehmend vernetzten Welt eine immer größere Rolle spielen wird.
Trauen wir uns doch einfach mehr Vertrauen zu! Was spricht dagegen?

März 15, 2010

Laufen: Der eigene Rhythmus

10 Kilometer Testlauf in unter 50 Minuten! Super. Ein Ergebnis, über das ich mich richtig freuen kann.
Nein, es ist nicht mein Erfolg und nicht mein Ergebnis. Ich las darüber in einem Laufblog, das ich hin und wieder aufsuche, weil es sich auf das Thema Laufen konzentriert und schön und schlicht den Sport „bei der Wurzel“ packt.Noch vor einem Jahr wäre mein Ehrgeiz geweckt gewesen, meine eigene 10-Kilometermarke endlich auch auf die magische „49“ zu bringen, anstatt bei „59“ zu stagnieren.
Doch fast nichts ist von diesem Bestreben übrig geblieben.
Locker und entspannt kann ich zulassen, dass andere schneller sind.

Selbstverständlich ist es mir nach wie vor wichtig, bestimmte Zielzeiten zu erreichen. Die Halbmarathondistanz in 2.12. z.B. oder den Hermannslauf unter 4 Stunden. Keine Ergebnisse, die in irgendeiner Rekordliste erscheinen und einzig dem Zweck dienen, in Bewegung zu bleiben und ein Ziel im Auge zu haben.

Ohne Ziele würde ich meinen Hintern wohl weniger bis gar nicht bewegen. Aber, da ist mehr Ruhe, mehr Gelassenheit in mein Läuferleben eingezogen. All der selbst gemachte Druck, immer schneller zu werden, obwohl der altersbedingte Zenit im Grunde überschritten ist, hat sich aufgelöst.
Es ist ein wunderschönes Gefühl, beim Laufen dieses warme Strömen zu spüren, den Spaß, der Anstrengung nicht ausschließt. Einerseits. Und bei einem anderen Lauf ebenso den Intervall in der gesetzten Zeit absolvieren zu können. Eine Zeit, die meine ist. Ein Lauf, der zu mir passt. Individual running rhythm. Das Leben ist ein Lauf. Meiner und Deiner!

Tags:
Follow

Get every new post delivered to your Inbox.